Dresdner Zeit

Dresden – Loschwitz 1840 Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Dorf zu einem attraktiven Ausflugsort. Künstler fühlten sich von der Atmosphäre des Ortes angezogen. So waren die Maler Wilhelm von Kügelgen und Ludwig Richter viele Sommer ihres Lebens, nahe der Residenzstadt Dresden, in Loschwitz. Wohlhabende Dresdner Bürger und Adlige, wie der Kantor der Kreuzkirche Heinrich Schütz und der Goldschmied Melchior Dinglinger hatten hier an den Weinbergen ihre Villen. Besonders durch die Einrichtung einer Schiffsanlegestelle im Jahr 1851 kamen viele Gäste aus aller Welt. Friedrich Wieck erfuhr auch, dass der Dichter Friedrich Schiller öfters bei dem Kunstmäzen, ein Gönner der Kunst und Wissenschaft, Christian Gottfried Körner (1756 – 1831) zu Gast war.
Blick auf Loschwitz
Friedrich Wieck verkaufte die Pianofortefabrik in Leipzig und übersiedelte mit seiner Familie nach Loschwitz. Hier setzte er seine erfolgreiche Tätigkeit fort. Im Haus Wieck gab es auch in Loschwitz die sogenannten Sonntagsmatineen und Soireen. Alles, was Rang und Namen hatte, war dazu eingeladen. Diese Konzerte wurden von Wiecks Gesangs- und Klavierschülerinnen gestaltet und er selbst gab humoristische Erläuterungen dazu. Wiecks neues Versuchsfeld war nun begabte Schülerinnen Gesangsvirtuosen herauszubilden. Überliefert ist, dass er von “Männern nicht viel hielt.“ Hohe Anerkennung fand sein Buch „ Clavier und Gesang“, das sein musikpädagogisches Konzept beinhaltet. Mit 55 Jahren studierte er bei den Pädagogen des Gesangs Johann Miksch noch Gesangs – Methodik, um sein pädagogisches Wirken zu erweitern. In Dresden betrieb Wieck mit dem Klavierstimmer Lendel nur noch einen Klavierverkauf und keinen Klavierbau mehr. „Wir waren 1840 von Leipzig nach Dresden wegen der schönen Lage der Stadt gezogen…“ so Marie Wieck aus einer ihrer Aufzeichnungen.Auch in Loschwitz gehörte zu Wiecks Methode, dass am Anfang durch Übungen und Tonleiterspiel (ohne Noten) die Finger trainiert wurden und erst später die Noten. Er gab die Anweisungen zum Unterricht. Die Kontrolle übernahmen der Bruder Alwin und die Mutter. Wie in Leipzig sorgte zum Ausgleich Wieck immer dafür, dass die Kinder lange ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft machten. Eine gute Allgemeinbildung erhielten sie von privaten Hauslehrern.
Marie Wieck im späteren Alter
Bedingt durch Schumanns erste größere psychische Krise, übersiedelte das Paar mit den Kindern nach Dresden. Es kommt zu einer Versöhnung mit dem Vater Friedrich Wieck. Dieser ist begeistert, weil Robert Schumann nun ein renommierter Orchesterkomponist ist und gefeiert wurde. Am 21. Januar 1843 schrieb Friedrich Wieck, seiner Tochter einen Versöhnungsbrief: „ Ich liebe die Kunst immer noch aufrichtig und ungetrübt; folglich soll auch die Tätigkeit Deines talentvollen Mannes nicht unbeachtet und unerkannt von mir bleiben. … Dein Mann und ich, wir sind zwei harte Köpfe- die muß man gehen lassen, aber gesinnungsvoll sind wir. Folglich kann es ihn nicht wundern, wenn ich wie immer seiner Schöpferkraft Gerechtigkeit zu widerfahren lassen wünsche. Komme bald und führe hier Deines Mannes Quintett auf.“1853 erschien von Friedrich Wieck die Schrift „Über den gänzlichen und plötzlichen Verfall der Gesangskunst“. Zwei Jahre vor seinem Tod kommt eine kleine Schrift heraus: „Musikalische Bauernsprüche aus dem großen Tagebuch eines alten Claviermachers“. Anlässlich seines 86. Geburtstags gründeten Wiecks Schüler, zur Förderung der mittellosen, musisch begabten Musikschüler, die „Friedrich-Wieck-Stiftung“. Es war die Krönung seines musikpädagogischen Wirkens.
Am 6.Oktober1873 starb Friedrich Wieck in Loschwitz bei Dresden, hochbetagt an Altersschwäche.
Das klavierpädagogische Werk Wiecks führten seine Kinder Alwin und Marie Wieck fort. Sie veröffentlichten seine Arbeiten.Drei Tage später wurde sein Leichnam nach Dresden überführt. Auf dem Trinitatisfriedhof fand er seine letzte Ruhestätte. Man setzte ihm ein Denkmal. Theodor Kietz fertigte dazu ein Medaillonbildnis des Verstorbenen an. Als Kostbarkeit bewahrt die „Sächsische Landesbibliothek“ in Dresden ein Schumann Album auf. Darin trug unterm 24.Dezember 1829 Friedrich Wieck die Mahnung ein, die auch für sein eigenes Leben stets Richtschnur war: „Dringe tief oder rühre es nicht an“.
Grab auf dem Trinitatisfriedhof
Clara Schumann äußerte: „ Zu meinem Schmerz muß ich es sagen, dass mein Vater nie anerkannt worden ist, wie er es verdiente! Ich danke ihm Zeit meines Lebens für alle die sogenannten Grausamkeiten. Wie hätte ich der Ausübung der Kunst bei all den schweren Schicksalen, die mir auferlegt waren, wohl so fort leben könne, wenn durch meines Vaters Sorge meine Constitution nicht eine so gesunde und kräftige gewesen wäre?“ Später erzählte sie: „Es fehlte mir ein verständiger Vater zur Seite, so wie ich das Glück hatte, ihn zu besitzen, der über meine Gesundheit wachte, sorgte, dass ich tüchtig spazieren ging, nie in späte Gesellschaften Einladungen annähme, nie zu viel hintereinander übte, nie am Nachmittag vor einem Abendconcerte anderes thäte als ruhen, kurz, er bewachte mich. Die Leute würden ihn freilich einen Tyrannen nennen, wie es mein Vater sich gefallen lassen musste, - ich danke es ihm aber noch täglich; die Frische, die mir bis in’s hohe Alter geblieben ist, (in der Kunst wenigstens) dies danke ich ihm!“